Geschichte

Die Herren „de celle“ – von der Burg zum Wasserschloss

Die Namensgeschichte lässt sich bei Schloss Zell an der Pram bis zu den seit 1250 in Urkunden des Klosters Vornbach aufscheinenden und als ansässig zu betrachtenden Herren „de Celle“ zurückverfolgen. Ein Zweig dieses Geschlechtes hatte seinen Sitz in Riedau. Von 1433 an bis gegen 1484 haben die Zeller die Herrschaft Riedau und Zell in einer Hand vereinigt, später erfolgte wieder eine getrennte Verwaltung. Nach der ersten Anlage im „Burgstall“ am rechten Ufer der Pram (Anmerkung: Die dort noch lange vorhandenen Fundamentsreste wurden zum Bau der dortigen B 137 abgetragen !) bauten sie sich um 1426 ein imposantes Wasserschloss in der Pramniederung südlich von der Hofmark Zell an der Pram (im Bereich des heutigen Gasthauses Kienbauer). Mit Christoph Zeller starb 1550 sein Geschlecht, das sich aus kleinem Besitzstande im Laufe der Jahrhunderte zu einem hochachtbaren Geschlecht entwickelt und verschiedene öffentliche Ämter innegehabt hatte,  im Mannesstamm aus, Erben waren seine zwei Töchter, Susanne und Margarete, die Zell je zur Hälfte ihren Ehemännern Christoph Retschan und Leo von Hoheneck zubrachten.

Zell als Jagdschloss der Grafen von Tattenbach

Durch Verehelichung und Erbschaft im Jahre 1611 bzw. 1638 war die ganze Herrschaft Zell erstmals unter Hans Adolf von Tattenbach in einer Hand vereinigt. Aufgrund ihrer Verdienste für Kaiser und Kurfürst erhob Kaiser Ferdinand die Tattenbachs bereits 1637 in den Reichsgrafenstand. Ferdinand Josef von Tattenbach hat in den Jahren 1709 – 1712 das im Zuge des Spanischen Erfolgekrieges stark verwüstete alte Schloss neu hergestellt, bis auf einen großen, später im Zuge der Restaurierung  zugeschütteten, Teich an der Südseite trockengelegt und es wurde als Jagdschloss unter den Schutz der Göttin Diana gestellt. Erst sein Großneffe Joseph Ferdinand von Tattenbach beauftragte 1760 den kurfürstlichen Oberbaumeister Franz de Cuvilliés d. J. mit dem Neubau (bis ca. 1771) des imposanten zweistöckigen Südtraktes des Schlosses in seiner heutigen Gestalt (Bauaufsicht: Hofpolier Ignaz Prechtler). In den Sommermonaten 1771 und 1772 schuf der kurfürstliche Hofmaler Christian Wink (1739 – 1795) die Freskenmalerei an der Decke, Galerie und Empore im opulenten Rokoko-Stil, die Wände im Freskensaal mit ihrer Scheinarchitektur stammen vom Münchner Theatermaler Josef Damian Stuber. Mit dem Tode des bayerischen Kämmerers Heinrich Ignaz Graf Tattenbach-Rheinstein als letzten des Geschlechtes 1821 erwarb Maximilian von Arco Valley den gesamten Tattenbach‘schen Besitz (neben Zell auch St. Martin und Sigharting).

Wechselvolle Jahre – Niedergang und Rettung von Schloss Zell

Mit dem 19. Jahrhundert setzte der Niedergang von Schloss Zell ein, um 1900 war der Schaden an den Malereien bereits groß. 1938 sollte das Schloss wegen seiner Baufälligkeit zugunsten einer dort geplanten neuen Schule abgerissen werden, was aber durch einen Einspruch des Denkmalamtes verhindert werden konnte. 1941 wurde es Eigentum der Nachbargemeinde Riedau, die einige Räume für Gemeinschaftszwecke benützte, so den Festsaal als Turnsaal. 1943 gab Riedau das Schloss an die deutsche Reichsbahn ab, die zuerst Bahnbedienstete darin unterbrachte, dann Bahnmaterial lagerte.
1945 wurde es als „ Deutsches Eigentum“ konfisziert, aber von der Österreichischen Bundesbahn verwaltet. Im Jahre 1949 erwarb die Gemeinde Zell an der Pram das Gebäude und adaptierte es für Volks-schule, Kindergarten und (bis zu 28) Wohnparteien. Denkmalamt und Gemeinde bemühten sich in den Jahren 1950 bis 1953 in ersten Restaurierungsversuchen, dem Freskenverfall Einhalt zu gebieten. Dies gelang aber nur kurzfristig, den bereits 1965 mußten die Malereien erneut gesichert werden, ebenso das Dach. Mit dem Auszug von Schule und Kindergarten 1973 trat erneut eine kritische Situation ein, es wurde klar, dass das Gebäude längerfristig nur durch eine umfassende Restaurierung gerettet werden konnte. Diese Generalsanierung erfolgte dank des Alt-Landeshauptmannes Dr. Josef Ratzenböck von 1975 – 1978 (u.a. mit W.HR Dipl.Ing. Karl-Heinz Hattinger als leitendem Architekten und W. HR. Dr. Norbert Wibiral als damaligen Landeskonservator für OÖ.).

Schloss Zell als OÖ. Landesbildungszentrum

Mit der Eröffnung als OÖ. Landesbildungszentrum für musische Erwachsenenbildung 1979 war das Schloss Zell seiner neuen Bestimmung übergeben und damit auch die kulturhistorisch bedeutende Gebäudesubstanz mit einer für die Zukunft wertvollen Aufgabe betraut worden. Die Gemeinde Zell an der Pram  als Gebäudeeigentümer, deren bescheidene Finanzkraft die ordnungsgemäße Erhaltung des Schlosskomplexes bei weitem übersteigen würde, überließ in einem Pachtvertrag auf 99 Jahre (Ewigpacht) dem Land OÖ. die gesamten Nutzungsrechte. Schon im ersten Jahr des Betriebes war die stolze Bilanz von 184 Seminaren und Kursen mit 6170 Teilnehmern, 16 Konzerten mit 3.900 Zuhörern und vier Ausstellungen zum Innviertel-Jubiläum mit rund 53.000  Besuchern zu verzeichnen.
Nach 1984 wurde auch noch der „Westtrakt“ saniert, in dessen Parterre sich nun im Bereich des ehemaligen Roßstalles (später Holzlage) der sogenannte „Kulturkeller“ (von den Zellern auch als Bacchus-Keller bezeichnet) befindet. Dieser Raum besitzt ein schönes Gewölbe mit zwei Reihen toskanischer Säulen und bietet ein besonderes Ambiente für kleine, feine Feiern. Auch der von der Union-Zell an Stelle der alten Schloß-Scheune in Eigenregie errichtete alte Turnsaal steht nun ausschließlich dem LBZ als viel genutzter Mehrzwecksaal zur Verfügung. In den vergangenen 30 Jahren seines Bestehens konnte das Landesbildungszentrum annähernd 700.000 Gäste und Besucher mit insgesamt mehr als 9.000 Veranstaltung erfreuen, wahrlich eine stolze Bilanz für Bildung, Kultur und Leben im Innviertel, im ganzen Bundesland OÖ. und mittlerweile mit den internationalen Musikkursen auch weit darüber hinaus.
Am 10. Juli 2009 wurde – gemeinsam mit der 5-Jahres-Feier des Bezirksalten- und -pflegeheimes Zell an der Pram (Leiterin: Fr. Sabine Schwarzgruber) – das 30-jährige Bestandsjubiläum würdig gefeiert. LH Dr. Josef Pühringer wusste in seiner brillanten Festrede interessant und launig aus erster Hand als damaliger Protokollchef sogar noch von den Eröffnungsfeierlichkeiten im Jahre 1979 zu berichten.

Zwischen Tradition und Moderne

Infrastrukturell haben wir mit weiteren Zimmer-Modernisierungen, vor allem aber mit den neuen WC-Anlagen im Foyer und dem völlig neuen Speisesaal einen Riesenschritt nach vorne gemacht. 2014 wird dem „Schloss Zell“ durch die Umsetzung eines begleiteten Strategieprojektes viel Neues bescheren, eine „Qualitäts- und Trainingsoffensive“ soll die Dienstleistungen weiter perfektionieren und die Landesbildungszentren Schloss Weinberg und Schloss Zell gemeinsam zukunftsfit machen.